Also seit gestern war der Himmel wieder klar.
Schön.
Schön und kalt.
Ich hatte echt mit mir gehadert, ob ich mich der Kälte aussetzen sollte. Aber am Ende war ich ganz froh, mal wieder in der Region dem Nachthimmel gewidmet zu haben. Meine letzten Foto-Abende sind schon etwas her, und waren an zwei Urlaube gekoppelt (einmal in Sachsen-Anhalt, einmal in der Eifel). Es juckte also sehr in den Fingern. Also machte ich mich nach Feierabend auf den Weg zu einem Spot am Steinhuder Meer. Das Südufer ist schnell mit dem Auto erreicht und ich war in der Nähe schon mal unterwegs. Ein kleiner Platz am Wasser mit einem Parkplatz wenige Meter entfernt. Im Sommer könnte man sich sogar auf (dann hoffentlich wärmere) Bänke setzen. Freier Blick nach Norden. Einen Test war es wert.
Es war aber auch praktischer Neugier geschuldet, dass ich unbedingt los wollte. In Blankenburg hatte sich mein Sternen-Tracker (auch als Nachführung bekannt) als ganz solide erwiesen. Dies sind Geräte, die zwischen Kamera und Stativ gebaut werden, um die Drehung der Erde auszugleichen. Und mit dem Ding bin ich noch nicht zu 100% eingespielt.
Die Sterne drehen sich am Himmel um den Nordstern herum. Beziehungsweise um einen Punkt direkt daneben, aber das ist genau genug. Der Star-Tracker dreht sich also mit dem Himmel mit und man kann die Fotos länger schießen. Das bedeutet mehr Licht, weniger Rauschen und damit bessere und spannendere Bilder. Auch, wenn dann natürlich die Lichtverschmutzung amtlich präsent wird. Hätte man keinen Star-Tracker werden auf dem Bild die Sterne zu länglichen Schlieren.
Was hatte ich also für ein Problem mit meiner Nachführung? Die Technik ist in Ordnung, aber meine Augen nicht! Damit der Tracker seine Arbeit leisten kann, muss man ihn (relativ) genau auf den Nordstern Polaris richten. Das läuft über ein kleines Plastik-Röhrchen, durch das man schaut. Wie ein Zielfernrohr. Dieser “Pol-Sucher” muss also durchblickt werden. Gefällt mir, da einfach und schnell.
Hätte ich keine Brille.
Aufgrund meiner Kurzsichtigkeit muss ich zum Sehen des Nordsterns die Brille aufbehalten. Das Zielfernröhrchen ist also wie, wenn man durch einen Kugelschreiber guckt: Echt dünn. Dazu kommt, dass Polaris nicht der hellste Stern ist. Damit verschmiert unser Nordstern in dem sowieso eher kleinen Röhrchen zu einem kaum sehbaren Flackern. Wenn ich überhaupt sicher bin, ob das Ding überhaupt im Rohr ist.
Das ganze hatte mich in Blankenburg amtlich frustiert. Und ich wolle das gerne ein weiteres Mal testen. Man kann einen Polsucher mit Sehstärke nachkaufen, aber ich fand das Röhrchen eigentlich ganz in Ordnung sonst. Und wie man vielleicht an meiner Stimmung in den Absätzen oben raten kann: Es war wieder etwas nervig. Ich überlege also, den besseren Polsucher nachzukaufen. Mal schauen, wie ich das löse.
Na gut, kommen wir zu den Bildern!
Ich hatte versucht, Richtung Norden die Milchstraße über Steinhude zu fotografieren. Sie ist in einem Bild ganz gut herausstellbar gewesen. Aber die Einflugschneise des Flughafens Hannoer-Langenhagen und des Luftwaffen-Fliegerhorstes Wunstorf waren eher störend. Aber ein Schnappschuss hat mir mit dem Licht aus einem Flugzeug irgendwie doch gefallen:

Ein anderes Bild hat die Milchstraße zwar erwischt. Aber in dem selben Bild hab ich die Lichtverschmutzung nicht raus arbeiten können, ohne dass es künstlicher aussieht, als es sowieso schon war:

Meine zweite Serie aus Bildern (man legt die Bilder dann auf smarte Art und Weise übereinander) war wenig gezielt einfach in die Richtung der Milchstraße + Andromeda. Da haben mich sehr stark die Satelliten von SpaceX & co genervt. Aber den Verlauf der Milchstraße fand ich trotzdem ganz gut!

Ich hatte danach mal versucht, in die Süd-Richtung zu fotografieren. Da fand ich irgendwie keinen schönen Bildausschnitt. Daher entschied ich mich, mein Zoom-Objektiv auf die Plejaden zu richten. Die habe ich in dem eher dunklen Objektiv aber gar nicht finden können. Also richtete ich das Ding auf das einzige Objekt, das hell genug in der Richtung war: Jupiter.

Unser entfernter Nachbar ist hell, aber mit etwas Einstellungen ging das dann. Ich habe aber nur einen guten Schnappschuss hin bekommen. Je mehr man heran zoomt, desto mehr stören Wind und mein doch sehr wackeliges Stativ. Mein Star-Tracker ist auch eigentlich mehr für Landschaften geeignet. Denn mein Zoom-Objektiv ist relativ massig und lang, was die Nachführung mehr Präzision und Stabilität abverlangt.
Aber der Schnappschuss gefiel mir doch ganz gut, denn da waren zwei kleine Anhängsel zu sehen an Jupiter: Zwei seiner Monde zeigten sich in all ihrer Verwackelten Schöheit:

Jetzt verbleibt die Frage, was ich aus dieser Foto-Session mitnehme – ausser Fotos:
- Es war echt kalt. Jacke, Pulli, Stiefel und ein Wärmegürtel aus der Drogerie helfen nicht, wenn über die Fingerlosen Handschuhe und das herumstehen doch die Kälte ordentlich reinzieht. Da hilft auch meine große Fake-Russen-Mütze nicht. Obwohl der alberne Look mir gefällt. Eine Temperatur von -6°C ist aber auch schon sehr kühl fürs Fotografieren. Ich bin jedoch nicht bereit, mir jetzt für solche Aktionen extra dicke Klamotten zu besorgen. Dann müssen mehr Schichten aus Kleidung her.
- Pol-Suchen muss besser laufen, das ganze frustiert etwas. Vielleicht ist der Nordstern aber nur deswegen schlecht sichtbar, weil die Lichtverschmutzung hier in der Region Hannover echt amtlich ist.
- Die Verbindung Kamera-Tracker-Stativ ist hart wackelig. Das gefällt mir so gar nicht.
Insgesam bin ich aber sehr froh über den Abend. Es schlägt auf jeden Fall das faule Sitzen auf der Couch. Ich traf vor Ort auch auf andere Leute, aber dazu in einem separaten Post mehr. Wie ich mit dem wackeligen Aufbau und der Ein-Nordung mittels Polsucher umgehe, muss ich schauen.